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  Jugend forscht Schule
Sachsen- Anhalt


 

         

               

 

Beispielhafter Altruismus im 3. Reich – aus dem Leben der Schindlers

,,Wer ein Menschenleben rettet, der rettet die ganze Welt“- unter diesem Motto stand die Präsentation der argentinischen Schriftstellerin und Historikerin Prof. Erika Rosenberg am 14. Mai im Gerhart-Hauptmann Gymnasium, die von der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt wird. Im Vordergrund ihres Vortrages standen Auszüge aus ihren Biographien über Oskar und Emilie Schindler, die durch ihr Handeln im 2. Weltkrieg das Überleben von ca.1200 Juden sicherten.

Viele kennen den Unternehmer Oskar Schindler aus der Hollywood-Verfilmung ,,Schindler‘s Liste“ von Steven Spielberg. Dort wird er als risikofreudiger, charmanter Mann mit schlechtem Benehmen dargestellt, der Aufmerksamkeit polarisiert. Nachdem sämtliche jüdische Fabrikanten vom NS-Regime enteignet werden, kann Schindler zunächst eine Emaille- und später eine Rüstungsfabrik in Polen erwerben, die kriegsnotwendige Produkte für die Wehrmacht herstellen.

Im Zuge der systematischen Beseitigung von Juden werden jüdische Ghettos liquidiert und Juden deportiert, wo sie nach körperlicher Ausbeutung in Konzentrationslagern vergast werden. Da entschließt sich Schindler, mehr jüdische Arbeiter in der Fabrik zu beschäftigen. Zusammen mit seiner Frau Emilie kümmert er sich um eine bessere Versorgung der Zwangsarbeiter. Er besticht viele hohe NSDAP-Mitglieder , damit seine Judenfreundlichkeit nicht publik und bestraft wird, trotzdem kommt es einige Male zu kurzzeitigen Verhaftungen. Als die Rote Armee vorrückt, wird Schindlers Rüstungsfabrik nach Tschechien verlegt; um die ca. 1300 Arbeiter mitzunehmen, fälscht er deren Personallisten. Alle bei ihm Beschäftigten verdanken ihm ihr Leben bis zur deutschen Kapitulation 1945. Oskar Schindler erhielt dafür mehr als 20 Jahre später zahlreiche Auszeichnungen, wie das Bundesverdienstkreuz.

Oftmals wird Emilie Schindlers zentrale Rolle bei Oskars Werk außer Acht gelassen, findet Erika Rosenberg, die Emilie 1990 in Argentinien kennenlernte und mit der sie sich anfreundete. Als Beispiel für Emilies Verdienst führte sie ihre Entscheidung an, 100 Juden aus einem fehlgeleitetem Güterzug ins KZ Ausschwitz aufzunehmen. Auch wenn im männerdominierten, nationalsozialistischen 3. Reich Frauen keinesfalls so emanzipiert wie im 21. Jhd. waren, versuchte Emilie Schindler bestmöglich ihre Möglichkeiten auszuschöpfen. Sie setzte ihr Leben aufs Spiel, um niedrig klassifizierteren Menschen zu helfen, wofür sie, wenn auch deutlich später als Oskar, ebenfalls mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde. Ob es gleichfalls von Emilies Stärke zeugt, dass sie niemals die Scheidung von Oskar wegen seiner zahlreichen Affären und den ab 1957 getrennten Wohnorten (Argentinien – Deutschland) einreichte, sei mal dahingestellt.

Ein weiterer Punkt in den Lebensläufen der Schindlers, über den Rosenberg kritisch sprach, war die Verfilmung ,,Schindler‘s Liste“. Eigentlich hätte Oskar 10% der Gewinnsumme des Filmes erhalten sollen – beim Erscheinen des Films 1994 war er bereits tot, das Geld hätte Emilie als Witwe bekommen müssen. Sie wurde zwar zur Filmpremiere eingeladen, zu der sie in Begleitung Rosenbergs kam, sah aber nie Geld von Universal Productions. Auf Nachfrage wurde ausgesagt, der Film hätte mehrere Millionen Miese gemacht. Prof. Rosenberg stellte diese Aussage den Schülern des GHG gegenüber als sehr fragwürdig dar.

Desweiteren gab sie einige sehr intime Momente ihrer Freundschaft zu Emilie Schindler zum Besten, animierte zum Fragen und beantwortete diese. Die Meisten schienen damit etwas überfordert, sie hatten eine Vorlesung erwartet. Akustische Probleme taten ihr Übriges – die Kommunikation gestaltete sich schwierig. Dazu kam noch, dass Rosenberg anscheinend eine allgemeine Geschichtskenntnis der Schüler voraussetzte. Insbesondere jüngere Jahrgangsstufen schienen sich jedoch noch nicht ernsthaft mit jüngerer deutscher Vergangenheit auseinandergesetzt zu haben, so dass sie nicht den historischen Kontext zu Rosenbergs Erzählungen Mitte des 20. Jhd. kannten. Trotz eines Programmzettels wären daher auch ein paar allgemeine Fakten der Nazi-Zeit angebracht gewesen.

Ansonsten war es sehr interessant, Erlebnisse von Zeitzeugen vorgetragen zu bekommen. Aus Zeitgründen konnte leider keine Diskussion zwischen den Zuhörern und Rosenberg mehr stattfinden, die nachklingende Botschaft der Professorin, Frieden zu wahren, bildete alternativ einen inhaltlich wichtigen Abschluss der Veranstaltung.

Tabea Günther, Klasse 11d, Gerhart-Hauptmann-Gymnasium