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Rezension zur Oper „Romeo und Julia“

 

Kein Hindernis aus Stein hält Liebe auf, was Liebe kann das wagt sie auch.“ Dies ist ein Zitat aus William Shakespeares Tragödie „Romeo und Juliet“ (dt. „Romeo und Julia“), welches er in der Zeit zwischen 1591 und 1596 schrieb. Es erschien 1597 erstmals im Druck und wurde im selben Jahr in London uraufgeführt.

Bereits im 17. Jahrhundert lassen sich erste deutsche Fassungen und Aufführungen des Dramas finden. Dies zeugt davon, dass „Romeo und Julia“ schon damals ein Erfolg war. Außerdem entstand eine Tragikomödie mit glücklichem Ausgang, die allerdings verschwunden ist. Erst im Jahre 1845 kehrte Shakespeares Originaltext wieder zurück auf die Bühne - im Londoner „Haymarket Theatre“. Auch im 20. Jahrhundert blieb „Romeo und Julia“ das am häufigsten aufgeführte Werk Shakespeares und ist weiterhin sehr beliebt, weshalb mittlerweile neben Opern und Theatern sogar Filme erschienen sind. Shakespeare kannte die Kraft der Liebe, aber er kannte auch die Abgründe und Schwächen und die daraus resultierenden Taten. In diesem Drama wollte er aufzeigen, was sich dem Traum der Menschen von der unbedingten Liebe, die alles Böse und jeden Feind besiegt, immer in den Weg stellte und stellen wird.

Das Drama spielt circa im 16 Jahrhundert in Italien. Es handelt von den beiden verfeindeten veroneser Familien Montague und Capulet. Die jeweils einzigen Kinder der Familien - Romeo Montague und Julia Capulet – verlieben sich ineinander. Heimlich lassen sie sich von Bruder Lorenzo trauen, der hofft die Fehde der Familien damit zu beenden. Doch aufgrund eines Kampfes wird Romeo verbannt. Julia bittet Lorenzo um Hilfe, der ihr einen Schlaftrank gibt. Romeo erfährt vom fälschlicherweise angenommenen Tod Julias und besorgt sich ein Gift, welches er trinkt als er Julia vermeintlich tot auffindet. Julia, die kurze Zeit später erwacht und ihren Romeo dort tot liegen sieht, tötet sich mit Romeos Dolch. Die Capulets und die Montagues erkennen daraufhin die Sinnlosigkeit ihres Streits und beenden ihre langwierige Feindschaft.

Romeo und Julia“ ist aufgrund des Ortes der Handlung ein italienisch gesungenes Werk. Doch das lässt Birgit Kronshage in ihrer (gekürzten) Konzeption im Fürstlichen Marstall Wernigerode nicht zum Problem werden. Romeos Mutter tritt immer wieder auf und erklärt den Hintergrund der Handlung, was gerade geschehen ist und was gleich geschehen wird, sodass auch jeder, der die italienische Sprache nicht beherrscht, der Handlung leicht folgen kann. Dies und die Länge des Stückes von circa 75-80 Minuten macht die Oper sehr schülerfreundlich und verständlich. Um das Stück auf diese Länge zu komprimieren wurden allerdings einige wichtige Szenen und Charaktere komplett vernachlässigt sowie kleinere Dinge verändert. Giulietta (Julia) tötet sich mit Romeos Gift statt mit seinem Dolch, es gibt keine Balkonszene und auch Bruder Lorenz, der eigentlich für die Trauung und die Besorgung des Schlaftrankes verantwortlich ist, wurde komplett herausgenommen. Allerdings bringt Birgit Kronshage eine ganz andere Idee in die Oper. Der entscheidende Unterschied zwischen Shakespeares Drama und ihrer Konzeption liegt nicht in fehlenden Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern der verfeindeten Familien, sondern darin, dass sich Giulietta trotz ihrer Liebe und der drohenden Hochzeit mit einem anderen weigert, mit Romeo fortzugehen. Da dies aus heutiger Sicht schwer zu verstehen ist, besetzt sie die Rolle Romeos mit einer Frau. Damit sind die Beiden ein homosexuelles Paar, was das Zögern Giuliettas rechtfertigt. Allerdings wurde Romeo während der Darstellung mal männlich und mal weiblich angesprochen, wodurch ohne Hintergrundwissen zur Konzeption nicht ganz klar war, ob dieser nun wirklich eine Frau ist oder ob der Grund doch die Tatsache ist, dass Romeos Stimme ein Mezzo-sopran ist. Die Kulisse ist sehr geschickt gestaltet. Es gibt Säulen mit drei verschiedenen Fassaden für drei verschiedene Handlungsorte. Besonders sollte die schauspielerische und sängerische Leistung der Darsteller erwähnt werden. Das Quartett der in der gekürzten Fassung vier Hauptcharaktere ist sehr gut gesungen und auch die Kampfszenen und hitzigen Diskussionen sind hervorragend veranschaulicht. Man bemerkt während der Diskussionen und Gespräche trotz der italienischen Sprache, wann die Stimmung kippt und jemand anderes die Oberhand gewinnt. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode unter der Leitung von Christian Fitzner. Das kleinere Orchester untermalt und unterstützt die Stimmung sehr gut. Auch die Schlussszene ist sehr emotional dargestellt. Vor allem die lange Pause und komplette Stille unterstützen die Dramaturgie dieser Szene besonders.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Oper in jedem Fall empfehlenswert ist, weil die Handlung leicht verständlich erzählt wird. Durch die Besetzung Romeos mit einer Frau und die deutschen Passagen hat die Oper etwas Modernes und Interessantes. Für uns Schüler war die gekürzte Fassung eine willkommene Heranführung an Opern und eine gute Möglichkeit, unser Wissen über das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur aufzufrischen.

 

Anjeli Nadda, 12d